Vegan in Polen – eine Rundreise von Breslau bis Zakopane

by gruenartig

Eine verwunderliche Tatsache fällt mir immer wieder auf: Jedes Land, dass ich als Veganerin besuchen möchten, wird mir vorher als DAS Land der Fleischesser verkauft. Und es sei damit natürlich VÖLLIG ungeeignet für meine Reisepläne. “Ob ihr in Polen wohl etwas veganes zu Essen bekommt?”, sorgten sich unsere Freunde. Und überhaupt: Warum eigentlich Polen? Wie sich herausstellte, wird unser Nachbarland nicht nur landschaftlich und kulturell komplett unterschätzt, sondern auch kulinarisch. Nach zweieinhalb Wochen Rundreise können wir jetzt guten Gewissens weitergeben: Vegan in Polen ist nur in einer Hinsicht problematisch – man muss sich zwischen den vielen, vielen Optionen entscheiden.

Unsere Route durch Polen im Überblick

Die Reise beginnt mit Stettin ziemlich nördlich, auch wenn wir uns während der zweieinhalb Wochen eher im südlichen Teil aufhalten möchten. Der Grund für diesen ersten Stop liegt allerdings nicht an der Stadt an sich, sondern an der langen Strecke zwischen Hamburg und Breslau.  So oder so würden wir in unserem Urlaub schon genug Zeit auf der Straße verbringen – das muss also nicht gleich am ersten Urlaubstag geschehen. Das Zentrum von Stettin ist ziemlich klein, aber es gibt ein paar schöne Ecken, die man sich schon mal ansehen kann.

Danach geht es weiter südlich nach Breslau in die wunderschöne Altstadt mit den vielen kleinen Bronze-Zwergen. Wir haben gar nicht damit gerechnet, dass uns diese Stadt so gut gefallen würde und wurden daher mächtig überrascht.

Von dort aus fahren wir in die Region Auschwitz mit dem Besuch des Museums Auschwitz-Birkenau. Wenn auch dieser Teil der Reise unserer Stimmung einen sichtlichen Dämpfer verpasst, halten wir diesen Rückblick in die Geschichte für sehr wichtig und bereuen den Besuch überhaupt nicht.

Besuch des Museums in Auschwitz

Besuch des Museums in Auschwitz

 

Anschließend lassen wir uns von Krakaus quirligem Puls schnell ablenken und verbringen drei wunderschöne Tage in der Stadt an der Wawel, in die wir uns sofort rettungslos verlieben. Die historische Altstadt wurde nicht umsonst mehrfach zum schönsten Ort der Welt gewählt. Wir lassen uns an einem sonnigen Tag durch die kleinen Gassen treiben, sehen uns die Wawel-Burg und die Universität an. Fast scheint ein Ort schöner als der nächste. Ein Regentag treibt uns dann Untertage: Die Salzmine als viert-ältestes Unternehmen der Welt, das bereits von J.W. Goethe besucht wurde, raubt uns in ihrer Dimension den Atem. Eine ganze Kathedrale findet dort Platz und ist trotzdem nur ein Staubkorn in dem gesamten Komplex.

 

Kleiner Foodtruck Markt im jüdischen Viertel

Kleiner Foodtruck Markt im jüdischen Viertel

 

Das jüdische Viertel am letzten Tag ist dagegen künstlerisch so inspirierend, dass mir sofort tausend Ideen für Zuhause kommen. Hunderte kleiner Bars und Cafés stehen dort dicht an dicht – aber alle liebevoll und charmant eingerichtet.  Und schlussendlich darf bei keinem Krakau-Besuch der obligatorische Abend in einer Jazz-Bar mit Live-Musik fehlen, wo doch die Jazz-Szene dort zu den vielfältigsten der Welt gehört.

Nach diesem umfangreichen Touri-Programm sehnen wir uns nach der Natur und freuen uns über drei Wandertage in der Hohen Tatra von Zakopane aus. Ein Wintersport-Zentrum, das direkt an der Slowakischen Grenze liegt. Auch wenn wir viele Höhenmeter überwinden müssen, hat sich jeder einzelne Schritt für die traumhaften Ausblicke über Bergseen und Baumwipfel gelohnt. Nur der Blick auf meinem Kameradisplay ist enttäuschend, da man die beeindruckende Weite des Bergpanoramas einfach nicht einfangen kann.

 

Blick auf das Tal der fünf Seen

Blick auf das Tal der fünf Seen

 

Schweren Herzens machen wir uns also von dort aus auf den nördlichen Rückweg über Warschau. Wir sehen uns die Hauptstadt an, die nach ihrer Zerstörung im 2. Weltkrieg wieder komplett neu aufgebaut werden musste. Den Einwohnern war es wichtig, dies nach original historischem Vorbild durchzuführen und das ist wirklich gelungen! Merkwürdig: Im Vergleich zu Krakau sind deutlich weniger Touristen unterwegs, obwohl doch Warschau selbst einiges zu bieten hat und dabei einen ganz eigenen Charme versprüht. Besonders Fans von Design-Stores finden ihre wahre Freude an den vielen Geschäften, die mich gleich an Kopenhagen erinnerten. Und: Die Open-Air-Bars am Wawel-Ufer sind so ziemlich der heißeste Scheiß Europas.

 

Vegane Restaurants auf unserer Rundreise

 

Da wir in unserem Wohnwagen auch viel selbst kochen, haben wir seltener auswärts gegessen und damit bei weitem nicht alle Angebote wahrnehmen können, die sich in ganz Polen bieten. Doch natürlich gönnt man sich hin und wieder einen kleinen Snack zum Nachmittag. Und gerade in den größeren Städten befinden sich die Campingplätze ziemlich außerhalb. So macht es einfach mehr Sinn direkt in der Stadt etwas zu essen und den Abend gemütlich ausklingen zu lassen. Zumal die Preise in Polen glücklicherweise relativ gering sind. Für zwei Hauptgerichte mit Getränken kann man in einem Restaurant etwa 70 Zloty rechnen = 17 Euro. Unsere Erfahrungen habe ich für Euch je Stadt unten übersichtlich dargestellt:

 

Stettin


Bajgle Krola Jana, Rynek Nowy 6, Szczecin

Schöner Outdoor-Bereich im Stettiner Bagel-Bistro

Schöner Outdoor-Bereich im Stettiner Bagel-Bistro

Eher zufällig sind wir auf dieses Bagel-Bistro gestoßen, da wir nämlich direkt daneben geparkt haben. 😉 Ein kleiner gemütlicher Outdoor-Bereich sah so nett aus, dass wir uns dort kurz hinsetzen wollten. Erst nach einem Blick auf die Speisekarte fielen uns die veganen Gerichte auf. Wir haben uns für zwei Bagel mit Rote-Bete-Hummus und Linsenpüree entschieden, dazu gab es hausgemachten Eistee.

Breslau


Vega Bar Weganski, Rynek 27a, 50-107 Wrocław

Besuch im Vega Breslau

Besuch im Vega Breslau

 

Eines der wenigen Restaurants, das ich schon vorab herausgesucht hatte und gerne besuchen wollte. Die Bewertungen waren im Internet sehr gut. Enttäuscht waren wir dann von dem Kantinenfeeling und den kleinen Portionen. Von unseren zwei Hauptgerichten wurden wir überhaupt nicht satt und haben uns darum noch ein drittes plus Nachtisch geteilt. Geschmacklich ist das Essen etwas fad und Graupen-Lastig. Zum Schluss fanden wir heraus, dass im Obergeschoss noch andere Gerichte verkauft werden, da war es leider schon zu spät.

 

Auschwitz


Café Bergson, Plac Księdza Jana Skarbka 5, Oświęcim

Hervorragender Kaffee auf der Dachterrasse des Café Bergson

Hervorragender Kaffee auf der Dachterrasse des Café Bergson

Im Museumsrestaurant gibt es Pierogen, die man sich bestellen kann – das haben wir allerdings nicht gemacht, sondern unsere eigene Verpflegung mitgebracht. Anschließend wollten wir dann aber noch etwas “Schönes” ranhängen, damit wir nicht ganz so deprimiert weiterfahren. So stießen wir auf das Café Bergson mit Dachterasse, dass auch Cappuccino mit Sojamilch anbietet. Sehr guter Kaffee in netter Atmosphäre und daher einen Besuch definitiv wert.

Krakau


Pod Norenami, Krupnicza 6, 31-000 Kraków

Asiatische Küche im Pod Norenami

Asiatische Küche im Pod Norenami

In unserem Reiseführer stießen wir auf das asiatische Restaurant mit ausschließlich vegan / vegetarischer Karte und entschieden uns aufgrund der zentralen Lage bei der Universität für einen Besuch. Auch wenn die Einrichtung jetzt nicht so super ansprechend und die Karte extrem umfangreich ist (was ja leider meist ein Indiz auf schlechte Qualität ist), wurden wir von dem Essen sehr positiv überrascht. Wir hatten uns für die Empfehlung der netten Kellnerin entschieden und können vor allem das MEE GROB (vegan bestellen) ebenfalls weiterempfehlen.

 

Nova Krova, plac Wolnica 12, 33-332 Kraków

Burger Time im Nova Krova

Burger Time im Nova Krova

Das Nova Krova ist auf den ersten Blick eine typische Burger-Bar. Auf den zweiten Blick entdeckt man die Option auf ein veganes Frühstück und bekommt dann gleich Appetit wegen der leckeren Gerüche aus der Küche. Wir haben hier sehr gut gegessen, zumal die Beilagen-Pommes aus verschiedenen Gemüsearten, wie Rote Bete und Pastinaken gemacht wurden. Sehr empfehlenswert war der Quinoa Burger!

 

Cytat Café, Miodowa 23, 33-332 Kraków

Gemütliche Einrichtung im Cafe Cytat

Gemütliche Einrichtung im Cafe Cytat

Ein perfekter Stop, wenn man gerade gemütlich durch das jüdische Viertel schlendert. Hier gibt es hervorragenden Kaffee (auch mit Sojamilch), flauschige Ohrensessel, Bücher und sehr guten WiFi-Empfang 😉

 

Lodziarnia, mehrere Filialen in Krakau

Schoko- und Kirsch-Eis

Schoko- und Kirsch-Eis

Man war ich glücklich, als ich auf eine Eis-Diele stieß, die gleich mehrere Eissorten als vegan auswies. Haltet nach Lodziarnia ausschau und ihr werdet nicht enttäuscht 🙂

 

 

Zakopane


In Zakopane haben wir keine Restaurants besucht, da wir an allen drei Tagen mit unseren Wanderungen beschäftigt waren und abends viel zu erschöpft, um noch irgendwo hinzufahren. Da die Innenstadt aber sehr touristisch ist, gibt es auch dort ein paar Optionen – auch wenn diese nicht sofort von außen erkennbar sind. An dieser Stelle möchte ich zum Beispiel darauf hinweisen, dass das typische polnische Nationalgericht “Pierogi” fast überall auch in vegan mit Sauerkraut und Steinpilzen verfügbar ist. Auf der englischen Speisekarte werden sie meist als “Dumplings” aufgeführt.

 

 

Czestochowa


Ein kleines Örtchen, das geographisch ungefähr zwischen Krakau und Lodz liegt. Wir haben uns hier eine kleine Pause auf der Weiterfahrt nach Warschau gegönnt und dabei in einem netten kleinen Bistro vegan gegessen:

Klubokawiarnia Pestka, w podwórku, aleja Najświętszej Maryi Panny 37, 42-200 Częstochowa

 

czestochowa vegan

Klubokawiarnia Pestka

 

Die Bedienung spricht leider kaum englisch, war aber super bemüht, um mir die Gerichte trotzdem ausführlich zu erklären. Eifrig ist sie zu einem anderen Gast gelaufen und hat sich dort die Zutaten übersetzen lassen – was mir schon etwas unangenehm war. Wir haben dann diese leckere Buchweizentorte mit Gemüse gegessen, dazu wurde eine würzige Tomatensoße serviert.

 

Warschau


In Warschau mangelt es bei bestem Willen nicht an veganen Restaurants. Leider ist aber auch hier der Burger-Laden-Trend unaufhaltsam, sodass die Vielfalt etwas eingeschränkt ist. Zusätzlich gibt es auch ein paar Pizzerien, die sogar vegane und glutenfreie Pizzen anbieten. Außerdem soll die Pierogie-Kette Zapiecek einen Besuch wert sein, da sie mit über 30 Sorten einen wahre Fülle an außergewöhnliche Teigtaschen anbieten. Von denen sind auch einige vegan, aber die Schlange vor der Tür war es uns nicht wert. Wir haben uns daher für diese Lokale entschieden:

 

Kubek l Olowek, Kredytowa 8, 00-062 Warszawa

Schön Frühstücken im KIO

Schön Frühstücken im KIO

Zum Ende unserer Reise hatten wir nicht mehr so Recht Lust auf Abwaschen und haben sogar Morgens auswärts gegessen 😉 In diesem Bistro gibt es ein leckeres Frühstück mit warmem Avocado-Toast, Hummus-Panini oder Guacamole-Baguette. Auch warmes Granola mit Sojamilch wäre hier möglich. Dazu ein schöner Cappuccino oder Café Americano – was will man mehr? Fairerweise sollte ich euch aber vorwarnen, dass der Koch eine große Vorliebe für Knoblauch hat…

 

Loving Hut, aleja Jana Pawła II 41, 01-001 Warszawa

Die Kette, die 200 Filialen weltweit betreibt, ist auch in Warschau vertreten. Wahrscheinlich hätten wir uns etwas Schöneres raussuchen sollen, aber wir waren wirklich sehr hungrig und der Laden war in der Nähe 😉 Die Qualität der Gerichte war nicht so hoch, wie in unserem Hamburger Restaurant – trotzdem hat es gut geschmeckt.

 

Coco Bowls, Bulwar B. Grzymały-Siedleckiego, 00-351 Warschau

 

Coole Location am Weichsel-Ufer

Coole Location am Weichsel-Ufer

 

Die gemütliche Beach-Bar am Weichsel-Ufer ist eine coole Location und ein Besuch mit einem kleinen Spaziergang bei gutem Wetter absolut empfehlenswert. Auf meinem Instagram-Account konntet ihr ja bereits die tollen Bowls bewundern, die optisch wirklich einiges hermachen. Leider muss ich allerdings sagen, dass wir geschmacklich enttäuscht wurden. Vielleicht bin ich von den leckeren Ombak Bagus Bowls aus Hamburg auch einfach zu verwöhnt, aber diese Bowls waren einfach ein flüssiger Smoothie. Granola fehlte fast komplett und die Früchte waren nur zur Dekoration obenauf. Wir haben bei der Zubereitung zugesehen und meine Bowl bestand einfach aus Kokosmilch mit Wasser und gefrorener Ananas püriert – nicht unbedingt der kulinarische Höhepunkt. Am schlimmsten waren allerdings die Holzlöffel, die von so geringer Qualität waren, dass ich mir daran meine kompletten Lippen aufgeschürft habe – Autsch!

Posen


Unser letzter Zwischenstop zwischen Hamburg und Warschau – ganz ungeplant, aber ein glücklicher Zufall. So stießen wir ganz zum Schluss noch auf das beste Restaurant von allen.

 

Je Sus Vegan, Taczaka 22, Poznań

Je Sus Vegan Posen

Das Je Sus Vegan hat keine klassische Karte sondern bietet täglich drei verschiedene Gerichte, die saisonale und regionale Zutaten enthalten. Die Bedienung spricht gutes Englisch und zählt problemlos alle Inhaltsstoffe auf. An unserem Besuchstag gab es Pieroggen mit Spinatfüllung, gerösteten Blumenkohl mit geräucherter Paprika und Sesamsoße sowie eine Rote Bete Suppe mit frischem Brot. Und was soll ich sagen? Das Essen war der Hammer – ich bin wirklich traurig, dass ich dort nicht so schnell wieder hinkommen werde. Aber liebe Berliner: Für Euch ist es doch nur ein Katzensprung 😉 Allerdringlichste Besuchsempfehlung!

 

Ich hoffe, dass ich bei dem einen oder anderen mit diesem Beitrag ein wenig Lust auf eine Polen-Reise geweckt habe. Das Reiseziel ist nicht nur günstig, sondern auch wunderschön und vielseitig. Pulsierende Städte und traumhafte Landschaften in unmittelbarer Näher zueinander.

“Warum in die Ferne schweifen? Sieh, das Gute liegt so nah!”

Habt ihr Fragen oder Anmerkungen? Dann hinterlasst gerne einen Kommentar.

Das könnte dir auch gefallen...

Leave a Comment

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.